Mittwoch, 29. September 2010

Das Feeling danach....

So, der grosse Tag, das so lange erwartete Ereignis ist vorbei...Ich sitze hier in Cambridge, England und lasse die EIndruecke der vergangenen 48 Stunden Revue passieren... Und irgendwie bekomme ich das Gefuehl, das waere schon alles viel laenger her....
So lange habe ich auf diesen Tag hin gearbeitet, so viele Stunden habe ich darin investiert, soviele Gedanken darin verwendet - und jetzt ist alles vorbei... Und es geht weiter... aber wie und wo?

Es ist schon etwas Interessantes, ein Konzert zu geben. Aehnlich wie in einem Fussballspiel, man weiss nie, wie es ausgehen wird. Immer ist ein gewisses Risiko da, immer gibt es gewisse kritischen Punkte.... Gewisse faule Verteidiger, und gewisse Ballkuenstler.. Das wirklich schwierige ist, bis am Ende durchzuhalten, immer alles zu geben aber sich nicht zu vergeben... die Kontrolle zu behalten und trotzdem die Musik auch zu geniessen. Und zu spueren, dass man alles im Griff hat.
Bei fast allem war das am Montag der Fall. Manchmal kriege ich ein Gefuehl von Macht, wenn ich spiele. Denn ich weiss genau, dass ich die Faeden in der Hand habe und durch Toene den Leuten ins Herz spielen kann...

Wenn jemand nach dem Konzert mir sagt, die Musik habe ihn so persoenlich betroffen, dann ist mir das gelungen, was ich wollte und das war amMontag definitiv der Fall. Und jetzt geht wieder alles von vorne los. Neue Stuecke werden ausgesucht, gelernt, geuebt, geprobt und wieder vorgespielt... Ideen fuer neue Programme habe ich genug...

Ja, das "Konzertloch", das gibt es schon.. mit jedem Ton hatte ich das Gefuehl, ein wenig von mir selber wegzugeben... ein Teil meiner Geheimnisse zu verraten.. und doch, dafuer spiele ich ja.. um das auszudruecken, was die Komponisten wollten, in Kombination mit dem was ich will, in Kombination mit dem was ich fuehl, was der Komponist gefuehlt hat aber auch , was mir dazu einfaellt, bzw. was ich "aehnliches" erlebt habe.... deshalb ist es ja auch so wichtig, ein richtiges Leben zu leben. Wer nur in seinem Cocon lebt, beschuetzt und behuetet vor den Schrecken dieser Welt, der kann doch das Leiden von Obermann in seinem Vallee nicht verstehen!!!! Wer immer alle bekommt, was er will, der kann doch nicht die Romantiker auf dem ewigen Weg auf der Suche nach dem, was nicht dort ist, wo man ist, verstehen!!! Und wer nicht bereit ist, durch lange Durststrecken zu wandern auf der Suche nach der blauen Rose, der kann viele Dinge einfach nicht verstehen.... naja, das zumindest ist der Trostpreis, wenn es mal wieder nicht so rund laeuft...

Aber darum mache ich mir gerade mal wieder weniger Sorgen.... denn eckig war das letzte Jahr genug....

Vor zwei Tagen stand und sass ich noch auf der Buehne in der Tonhalle, jetzt sitze ich auf einem Erkerbaenkchen in Cambridge, England, es regnet, die Blaetter fallen auf den Boden, und die "Winterreise" von Schubert steht uebermorgen auf dem Programm. Heute bei Proben ist mir wieder einmal aufgefallen, dass das Werk wohl die allerbeste Therapie fuer alle moeglichen Sorgen ist. Zusammen mit Schuberts letzter Sonate und seinem Streichquintett. Wenn ich diese Musik spiele oder hoere, dann merke ich einfach, dass alles andere im Leben so schnurz egal ist. Aber was musste Franz Peter in seinem Leben alles erleben, um solche Musik zu schreiben?

Jetzt kommt noch die Frage nach der Zukunft... nun, wir werden sehen.... alles wird sich zeigen... ich gebe weiterhin alles, bin weiterhin 200% dabei, freue mich ueber die kleinen Dinge des Lebens, die Nicht-Zufaelle des Alltags und stehe in den Startloechern fuer ein neues Kapitel... Inspiration Schweiz ist vorbei, jetzt kommt was Neues...

Und zum Schluss: Ohne alle guten Gedanken, ohne alle lieben Leuten um mich herum, waere das alles gar nichts wert, waere meine Musik voellig unnuetz und leer. Denn alle Menschen um mich herum, die mich anfeuern, weiter zu gehen, sind genau so an diesem Gelingen von Abenden wie der Montag beteiligt wie ich..... deshalb.. DANKE...
Und bis bald auf dem Weg ins neue Abenteuer!!

Freitag, 17. September 2010

Aus dem Westen optimistisch?? - mal was Neues...


So lange habe ich nichts mehr auf diesen Blog geschrieben - mehr als zwei Jahre sind seit dem letzten Eintrag vergangen. Wieso eigentlich?? Manchmal ist es wohl so, dass das Privatleben so intensiv ist, dass es für Ueberlegungen und intelligente Sprüche keine Zeit mehr lässt. Manchmal ist auch so, dass einfach so viel läuft, dass keine Zeit mehr bleibt.
Wer diesen Blog überhaupt noch liest und lesen wird, ist mir rätselhaft.. bestimmt haben schon alle vergessen, dass es diesen Blog noch gibt... und das ist ja vielleicht auch ganz gut so.
So viel ist in den letzten zwei Jahren passiert...aber darauf möchte ich eigentlich gar nicht besonders genau eingehen.

mehr als das Vergangene interessiert mich jetzt die Zukunft. Meine Zukunft, die Zukunft derer, die mich umgeben, die Zukunft im Allgemeinen und im Spezifischen. Eigentlich sind dies auf der einen Seite sehr trübselig stimmende Gedanken, die ich da haben könnte.
Die Welt um mich herum, um uns alle herum ist voller Hass und Ungerechtigkeiten, voller Unzufriedenheit. Vor allem in "meiner" Musikerwelt. Wir tun alle so, als ob alles so friedlich wäre und gucken auf youtube, ob es nicht doch eine schlechte Aufnahme gibt, die ja beweist- so spiele ich auch - und sowieso, es ist ja nur so, dass ich nicht entdeckt werde/worden bin, weil ich nicht zu einer Gruppe der verschiedenen Musiker-Mafias gehöre. Ich kann das nicht mehr hören. Warum muss es denn immer so sein, dass in der Musik und in der Kunst im Allgemeinen so viel geschwatzt wird!!! Hat es denn nicht für alle Platz? Ist es mir denn nicht schnuppe, wer mit wem wofür was getrieben hat??? Was steht denn im Vordergrund einer musikalischen Karriere? Oder was sollte im Vordergrund stehen? Neid? Schadenfreude? Politik? Mafia? Oder vielleicht doch NUR die Musik? Ist das überhaupt noch möglich, war es überhaupt jemals so? Ist Musik für Musik eine Utopie? Vielleicht. Aber doch sicher eine erstrebenswerte.
ich bin manchmal eifersüchtig. Manchmal im Privatleben, manchmal in der Musik -ich glaube - hoffe - das sind wir alle manchmal. Aber nie auf jemanden, der es besser kann. Oder dann nur klammheimlich und mit schlechtem Gewissen....
Was mich aber einfach nur krank macht, ist andauernd die Fehler bei den andern zu suchen. Und das ist jetzt nicht nur in der Musikwelt so. Immer ist jemand anderer schuld. Und alles wird nur schlechter. Und alle sind in einer Mafia drin. Nur ich brave, anständige, unentdeckte halt.... Das ist Mist. Wer das Gefühl hat, muss nichts machen. Ja, es gibt Mafia, es gibt Lobby, der eine hilft dem anderen. So ist es, so ist es immer gewesen, so wird es immer sein.
Pessimistische Gedanken.... Buuuuuuuuu....

Aber kein bisschen fühle ich mich pessimistisch. Im Gegenteil. Eher optimistisch.
Und beim optimistischen werde ich bleiben. Denn so sehr ich auch versuche, pessimistisch zu wirken, irgendwie klappts nur für ein Weilchen.
Beinahe 27 Jahre kämpfe ich mich nun durch den Dschungel des wilden Lebens;-) Tja, wie ich noch klein war, da dachte ich mir immer, "Wow, mit 27 - da ist man ALT, sicher sehr weise, etc etc"... denkste! Natürlich - man lernt... wie heisst es doch so schön "aus Fehlern wird man klug, drum ist einer nicht genug", naja, kann man wohl so sagen.
Einer pro Konzert ist nicht genug und einer pro Leben auch nicht.

Gerade bin ich wieder auf einem Jorge Drexler-Trip. Denn nein, ich höre nicht nur klassische Musik in meiner Freizeit.... Jorge Drexler zu hören ist, wie in ein Wohlbad von Erklärungen einzutauchen. "Lo que tenga que ser, que sea y lo que no - por algo sera" - Was sein muss, soll sein und was nicht - das wird schon seinen Grund haben... Oh ja, damit kann ich leben. Und damit kann MAN leben. Denn ich glaube fast noch mehr an das Schicksal als an Lobbies.
Ich merke, ich werde altersweise. (sehr ironisch gemeint) oder auch immer dümmer.
Jedenfalls gibt es nichts schöneres für mich, als die Leute, die mir zuhören, verzaubern zu können. Zu wissen, wie ich den Ton spielen möchte, damit er seinen Sinn hat im Musikstück und in den Ohren der Zuhörer. Und seine Botschaft überbringt. Wem? Was? Das ist mein Geheimnis.
Ich kann mich noch so gut erinnern, wie ich aus dem Austauschjahr in Chile zurückkam und wir mit meinem besten Freund darüber redeten, dass wir Glück haben: Unsere Erinnerungen kann uns NIE jemand wegnehmen. Die gehören einfach uns, zu uns.... und so ist es doch auch mit der Musik. Nie kann sie mir jemand wegnehmen. Ich fühle mich privilegiert.
Am 27.9. in der Tonhalle spiele ich das "Hauptkonzert" meiner privaten Konzertsaison. Und ich freue mich schon so darauf. Natürlich habe ich Lampenfieber. Es gibt immer diesem Moment, wo man denkt, "O Gott, das kann ich nicht". Und das stimmt nie. Man kann immer. Aber man muss daran glauben. Und denken, dass das geht. GANZ FEST!!! Und es geht immer und deshalb freue ich mich so. Denn was auch für böse Lobbies um mich herum lobbieren und wirbeln und gegen und füreinander arbeiten - mich stört es ja nicht, denn ich muss/DARF ja einfach spielen.
Vielleicht auch für Dich?????????????

Freitag, 29. August 2008

USA - August 2008


Meine Lieben

Theoretisch bin ich seit gestern wieder im Grafenhag, praktisch klappts noch nicht so ganz - ich bin noch ganz gaga von der Heimreise und erst gerade etwas dabei, meine Gedanken wieder etwas zu ordnen und wieder etwas Richtung Nord-Osten zu denken und an das, was jetzt kommt....

Was gibts nicht alles zu erzählen von diesem Monat!!! Ich versuche, Euch diese Wochen etwas zusammenzufassen, mit den Links zu den Fotos (oben links) könnt Ihr Euch dann auch selber ein Bild davon machen...

Nach den zwei New York-Tagen sind wir zu James nach Kent, Ohio, gefahren... Zuerst wohnten wir bei seinen Eltern, schon ab dem zweiten Tag aber konnten wir im Haus von einem Klavierlehrer des Konservatoriums an der Kent-Universität wohnen - und sein Haus, eine fast Beverly-Hills-mässige Villa mit Steinway-Flügel, vielen Zimmern und einem riesengrossen Fernseher, und seine zwei reinblütigen russischen grauen Katzen namens Mischa und Sascha hüten...

Der Ueballtag ging sofort wieder los. Ich übte tagsüber am Steinway-Flügel "zuhause" und James übte im Haus seines besten Freundes, der gerade mit seiner Familie in der Ukraine war. So verbrachten wie unsere Tage mit klimpern, trafen uns zur Mittagspause und hielten uns die Abende frei, die wir dann mit reinem Gewissen geniessen konnten: Barbecues bei James zuhause, Filmabende, die olympischen Spiele, das waren unsere favorisierten Aktivitäten...

Am 10. August hatte ich mein erstes Konzert in Akron, Ohio, an der dortigen Universität. Es ging sehr gut, allen hats gefallen, und ich war auch ganz zufrieden. Gespielt habe ich zwei Scarlatti-Sonaten, Mozart-Fantasie c-moll, Clara Schumann-Variationen, Prokovief-Sonate Nummer 9 und ein Stück aus der Romeo und Julia-Suite.

Am 15. August war das zweite Konzert, diesmal in Columbus, Ohio, im Konzertsaal der Grave's Piano and Organ-Company. Gespielt habe ich Clara-Schumann-Variationen, Prokofief-Sonate Nr. 9 und Schubert-Sonate A-Dur.
Auch dieses Konzert ging sehr gut. Prokovief ging wohl noch nie so gut wie da...

Danach sind wir auch wieder in James' Haus umgezogen. Seine Mutter ging dann für eine Woche nach New Haven, wo James' Bruder Rob mit seiner Familie wohnt. Seine Frau hat am 18. August ihr zweites Kind Owen Peter auf die Welt gebracht und die stolze Grossmutter hat natürlich auf die zweieinhalb-jährige, jetzt "grosse Schwester", Alexandra aufgepasst und uns immer die neusten Ereignisse durchgegeben...

Am 16. August lud uns James' Vater nach Cleveland in die Severance-hall (Halle des Cleveland-Orchesters und Arbeitsplatz von Franz Weler-Möst...) ein: Klavierrezital von Alexander Gindin, dem Gewinner des letzten Cleveland-Wettbewerbs, ein 31-jähriger Russe aus Moskau. Das Programm: Alles virtuose Werke (u.a. Liszt-Tarantella, Campanella, etc) - es war genial!!!!
Eine richtige Freude, diesem Pianisten zuzuhören, und zuzusehen.. ein richtiges Erlebnis!!!

Und am 21. August spielte ich dann mein Schubert-Rezital in Kent selbst, im Saal der Kent State University. Zwei Impromptus op.90, Drei Klavierstücke DV 946 und die A-Dur-Sonate. So gut wie da habe ich schon sehr lange nicht mehr gespielt. Das Konzert habe ich von einem Tontechniker professionell aufnehmen lassen und wer eine CD davon möchte, bitte melden!!!
Es war ein sehr würdiger Abschluss dieses Konzert-Sommers - 7 Konzerte in knapp 6 Wochen.

Ich habe in dieser Zeit wieder einige Krisen überwältigt und fühle mich auch wieder bereit für neue Herausforderungen, bin voller Pläne für die Zukunft und habe tausend Ideen... Die Gespräche mit James in den USA haben mir sehr viel geholfen - viele Gedanken, die ich mir mache, versteht er genau und so wurde es uns auch nie langweilig...
Es ist halt schon mühsam, dass man sich als Künstler so viel mit sich selbst beschäftigen muss... Ich finde das manchmal sehr schwierig. Und meine Post-Konzert-Löcher sind auch nicht besonders hilfreich... aber eben, dadurch, dass ich jetzt so viel gespielt habe, gewöhne ich mich an alles und wieder einmal habe ich festgestellt, dass es eben vor allem auf das innere Gleichgewicht ankommt. Und dass man als Interpret die Musik geniessen soll. Und noch so einiges mehr...

Ja, und dann am 22. August war ich total fertig... Und ich habe mich dann auch mal zwei Tage ausgeruht... Wir waren im Kino, beim Minigolfen, haben in James' Swimmingpool gebadet, wir waren in Cleveland im Museum, auf Shopping-Tour und haben auch noch geübt aber nicht mehr so viel....
James' Mutter war unterdessen wieder nachhause gekommen und am Abend vor unserer Abreise gingen wir zu viert essen. Es war ein wunderschöner Abend und wir haben viel gelacht... Ihre Grosszügigkeit und Gastfreundschaft mir gegenüber werde ich nicht vergessen...

Am 26. gings dann wieder auf die Reise - aber in den Norden!! James und ich hatten beschlossen, die lange Reise nach New York in zwei Etappen zu machen, dafür aber die Niagara-Falls zu besichtigen... Wir standen früh auf, packten das Auto mit meinen Koffern voll, kauften zum letzten Mal Frühstück bei "Susan's" - bestehend aus himmlischen Bagels mit creamcheese, Kaffee, Orangensaft, und einem chocolate- und einem rasberry-creamcheese-croissant.... Schon auf der Autobahn strich ich die Bagels und teilte die Croissants und wachte auch langsam auf...
Wir fuhren also nach Kanada. Ich kriegte auch einen kanadischen Stempel in meinen Pass (interessant: Die Amis und Kanadier haben mir meinen Pass auf der ERSTEN Seite abgestempelt, obwohl es auf den nachfolgenden Seiten schon verschiedenste Stempel hat... im Gegensatz stempeln mir die Russen immer die LETZTE Seite voll...) . Die Niagara-Falls sind etwas vom Eindrücklichsten, das ich je gesehen habe... Wir nahmen natürlich ein Boot, genannt "the maiden of the mist" und fuhren ganz nahe an die Fälle heran - ein richtiges Abenteuer!!!
Der Tag war wunderschön, ein gelungener Abschluss dieser Reise!!!
Und nach einer Motel-Uebernachtung (mit Pizza-Bestellen und Fernseh-Zapping) fuhren wir am nächsten Tag nach New York zurück. Alles verlief planmässig und so sitze ich jetzt auf dem Sofa im Grafenhag und versuche, meine Gedanken wieder etwas zu ordnen, und herauszufinden, ob das Flugzeug, mit dem Mama aus Spanien kommt, nicht noch mehr Verspätung hat...
Guckt Euch die Fotos an und schreibt mir Eure Kommentare!!!

Ich bin noch bis am 3. September in der Schweiz, dann beginnt wieder der Ernst des Lebens im Venedig des Nordens.. Obwohl ich in diesen Semesterferien nicht wirklich Ferien hatte fühle ich mich voller Tatendrang und, sobald ich den Jet-lag überstanden habe, zu mehr neuen Abenteuern bereit!!!!

Euch alles Liebe und einen wunderschönen Spätsommer und bis bald
Eure Luisa

Mittwoch, 6. August 2008

New York.......


Meine Lieben!!!!!!

Nach dem Konzert-Juli jetzt der Konzert-August, nur ein paar Kilometer westlicher...... (stimmt, oder???)

Ja, das war ein aufregender Monat, der Juli 2008.
Vier Konzerte plus diverse Vorspiele, private Gefühlsachterbahnen mit und ohne Musik, liebe Menschen um mich herum - Pianistenleben pur....

Und jetzt bin ich in Kent, Ohio, bei meinem lieben Freund James (den ich in Petersburg kennengelernt habe, Pianist, 29 Jahre alt). Er ist extra 8 Stunden mit dem Auto nach New York gefahren, um mich vom Flughafen JFK abzuholen...
Mein Gotti Flavia, maitre de cabine auf dem Swiss-Flug, der mich am 1. August über den Ozean brachte, verwöhnte mich schon unterwegs mit first class - acessoires und einem Besuch im Cockpit (wo die Piloten über Shawn Fielding und allgemein Schweizer Politiker lästerten....) - und obwohl ich ja eigentlich nach dem Konzert vom 31. in Aarau und nächtlicher Koffer-Pack-Aktion müde war, konnte ich kein Auge zutun... Ich war aufgeregt, aufgekratzt, nervös und freute mich auf das Abenteuer USA.....

Ich kam also am 1. August am Flughafen JFK, New York an. Der Fremdenpolizeibeamte, der meinen Pass beäugte und meine Fingerabdrücke nahm, fragte mich ganz erstaunt "first time in the USA?????"
Nun, ja, was kann ich schon dafür, oder??

Und dann war ich auch schon da, James war da, die Sonne schien und alles war in Ordnung....
(Für alle Neugierigen, Nein, James ist nicht MEIN Freund, sondern EIN Freund, aber ein ganz lieber und bestimmt lebenslanger und das ist gut so und soll auch so bleiben.)

Wir brachten also die Sachen ins Hotel nach Manhattan und fingen sofort an, herumzuspazieren....
An diesem Abend sahen wir schon viele schöne Orte, ich war ganz schön gaga mit Jet-lag und New York, big apple, alle ethnischen Gruppen der Welt um mich herum, so viele Eindrücke, Neonlichter, und Orte, die ich nur aus Filmen kenne.... Es war grossartig....

Am nächsten Tag gingen wir ins MoMA, Museum of Modern Arts. Wow!!!!! Das Museum ist schon ein Stück Moderner Kunst, die Bilder und Ausstellungsstücke weltberühmt..... Die Extraausstellung von Dali hat mir besonders gut gefallen, und natürlich Andy Warhols Marilyn und Picassos badende Mädchen und und und.....
Nach drei Stunden waren wir etwas kunsterschöpft und mussten gleich mal koreanisch essen... dann sahen wir die grosse Saint John Cathedral und assen apple-Strudel in einer ungarischen Konditorei, und dann sahen wir Julia Stiles ("save the last dance", "Traffic"), die auch etwas in der ungarischen Bäckerei kaufte und James wollte ihr die Türe aufhalten (während ich im shop nebenan Postkarten kaufte) und war ganz aus dem Häuschen.....

An diesem Abend gingen wir mexikanisch essen und in einen ganz berühmten jazz-Club, namens "The blue note" - wir fühlten uns so richtig new-yorkish (ich trank auch einen Cosmopolitain:-))))) und fuhren dann auch mit einem gelben Taxi nachhause...

Ja, und dann am 3. August fuhren wir 8 Stunden nach Kent, Ohio....Hielten unterwegs jeweils kurz an für Snacks- und WC-Pausen und wurden dann von James' Mutter Teresa empfangen!! Was für eine liebe Frau!! Sie hat vier schwarze kleine Pudels, alle Champions: Indy (das einzige Männchen), Paula, Paris (ja, von Paris Hilton....) und Maggie... voll süsse, intelligente, liebe Pudels... Ich schicke Euch dann mal Fotos... James Vater ist gerade in Australien, wo er an einer Konferenz teilnimmt, er ist Nuklear-Physiker und unterrichtet hier in Kent-State-University (ein Campus von 27 000 Studenten...) und eben, die Mutter ist zuhause, obwohl sie jetzt wieder arbeiten wird, auch an der Uni....
Nach dem chicken-barbecue-Abendessen sassen wir noch zusammen, assen Schweizer-Schokolade und tranken ein paar Gläschen russischen Wodka (na zdarovjie:-)) und redeten über Russland, Petersburg, Klavier, Musik, Zukunft, etc....

Und dann ab Montag ging jetzt das normale Leben wieder los.. Ueben, Konzerte vorbereiten, alles wie gehabt, nur an einem anderen Ort....
Ich werde drei Konzerte geben, das erste am Sonntag 10. August, dann am 15. und am 22. - alle Konzerte in verschiedenen Städten Ohio's und natürlich verschiedene Programme...
Wir machen fleissig Werbung und hoffen, es kommt jemand:-))
Also, so sieht es also bei mir aus im Moment....

Ich freue mich auf diese Konzerte und ich bin fröhlich hier, und freue mich auch schon auf die Heimreise...
Im Moment kann ich mich eigentlich wirklich nur über alles freuen...

Guckt Euch schon mal alle Fotos von New York an... Ich werde mich wieder melden mit den neusten News...

So, meine Lieben, das wärs für heute, die Arbeit ruft...
tausend Grüsse und Küsse von dieser Seite des Antlantiks. CU

Samstag, 12. Juli 2008

Sommer 2008



Meine Lieben....
Was kann ich sagen, ich bin schon selber erstaunt, wie viel Zeit seit meinem letzten Eintrag verflossen ist... Wieviel in der Zwischen zeit passiert ist, kaum zu glauben, und dann irgendwie ist auch alles so schnell gegangen, dass es sich gar nicht so anfühlt, als wäre ich schon wieder in der Sommerpause in der Schweiz.. bin ich aber!!!!

Wie kann ich das letzte halbe Jahr zusammenfassen?? Ich werde es versuchen....

Am 2.2. hatte ich ein Konzert in Zürich, im Konsisaal.. Es war ein Erfolg...Ich habe mich in meinem Leben noch nie so sicher auf der Bühne gefühlt wie an diesem Abend... Es war für mich ein Erlebnis....

Dann war ich für einen Monat in Chile... Fotos könnt Ihr unter dem Fotolink ansehen...(bei den Links links oben:-)))

Es war, nun, wie soll ich sagen, einfach wundervoll... Die Seele vollgetankt mit Sonne, Liebe, Lebensfreude....Wie hat mir dieser Monat gezeigt, dass ein Teil von mir immer dort bleiben wird... Es zieht mich schon wieder zurück nach Chile... Aber zuerst bleibe ich "en Rusia" - und das noch ziemlich ein Weilchen!!!!

Im März gings dann zurück nach Sankt Petersburg.
Und was war der Grund, warum ich nicht mehr in diesem Blog geschrieben habe?? Schlicht und einfach keine Zeit...
Wenn ich zuvor schon übewütig war, dann bin ich in diesem Semester überübewütig und übermütig geworden...
Was ich alles neu gelernt habe:

Clara Schumann: Variationen über ein Thema von Robert Schumann
Sergeij Prokofief: Sonate Nummer 9
Franz Schubert: Sonate A-Dur
Robert Schumann: Klavierkonzert a-moll
Claude Debussy: Cellosonate
12 Lieder versch. Komponisten
versch. Opernarien

Jede zwei Wochen haben wir im Studentenheim Konzerte organisiert, am 14. Juni war das letzte, das 14. Konzert der Saison... Wir haben eine Konzertorganisation gegründet, nennen uns UCO, United Colours of Obsheshitije (= Studentenheim), haben schon "Ausbaupläne" für die nächste Saison, und üben schon mal neues Repertoire...

Dann habe ich zusammen mit einer chinesischen Sängerin 12 Lieder einstudiert, von Beethoven, Schumann, Strauss, Rimsky-Korsakov, Rachmaninov, Dargomishskij, Tchaikovskij, Massenet, Ravel, Rossini, Rodrigo und einem chin. Komponisten und mit ihr an einem Wettbewerb teilgenommen, in Petersburg, Ende Juni. Wir kamen in die zweite Runde, konnten also im kleinen Saal der Filharmonie spielen, da war die Sängerin aber nervös und wir hatten eine nicht besonders gute Performance der zweiten Runde - auch nicht schlimm, es gab mir wieder eine unglaubliche Erfahrung, und wie ich Wen Jing (die Sängerin) nachher zu trösten versuchte: wir haben nicht den Wettbewerb, dafür eine Freundin und Ensemblepartnerin gefunden und das ist noch viel mehr wert.....

An diesem 14. Juni war auch der erste Jahrestag der Beerdigung von Papa. In Winterthur haben sich die übrigen Familienmitglieder mit den engen Freunden getroffen - ich war in meinen Gedanken dabei und hatte in dem letzten "UCO"-Konzert heimlich meine eigene hommage an ihn.... Jedes mal, wenn ich vorspiele und wenn ich besonders eindrückliche Konzerte und Opern erlebe, dann fühle ich, dass es sich mit mir freut, und auch wenn ich ihm ja gerne alles erzählen würde, er weiss es ja schon alles, geniesst wohl diese Momente mit - zumindest hoffe ich das, und fühle das so....

Ja, Konzerte, Opern, das gabs seit März in Hülle und Fülle.. Meine Tage ausgefüllt mit Musik und die Abende erst recht....
Grigory Sokolov, Elisa Versaladze, Alfred Brendel, Jurij Bashmet, Bryn Terfel, Zauberflöte, Tristan und Isolde, Fokins Ballete (Feuervogel, Sheherazade), Carmen mit Maris Jansons, versch. Sinfoniekonzerte, ich war viele viele Male im Konzert, in der Oper, im Ballett, es war immer ein Erlebnis und ich freute mich schon immer, wieder in den Genuss schöner Musik zu kommen. Wenn mich jemand fragen würde, was mir an Petersburg am meisten gefällt, bestimmt die Kunst/Kultur und das Kulturleben....

Und ich widme mich meinem Kulturleben, mit einer Riesenfreude jeden Tag..
Mein allerliebster Bruder hat mir eine tolle homepage gemacht:
http://www.luisasplett.ch
ab neu immer links oben auf dem Blog....
Da seht Ihr immer die neusten Facts....

Morgen spiele ich an einem Hauskonzert - ein Fact, der mich daran erinnern soll, schlafen zu gehen!!!

Aber eins wollte ich noch sagen: Alle diese Freude in meinem Leben wäre nicht möglich ohne Euch, die Ihr mich unterstützt aus der Ferne, auf welche Weise auch immer. Eure Gedanken tragen mich durch schwere Zeiten und spornen mich zum Weiterarbeiten an. Was ist ein Künstler ohne Applausblumen? Ihr gebt sie mir durch Euer Mitdenken und Zuhören. Danke!!!!!

Einen wunderschönen Sommer!!!

Dienstag, 1. Januar 2008

Alles LIebe und Gute fürs Neue Jahr

с новым годом!!!!

Meine Lieben!!!!

Euch allen von ganzem Herzen alles alles Gute im Neuen Jahr 2008.
Möget Ihr alle glücklich und zufrieden, gesund und munter, voller Lebensfreude, Kraft, Tatendrang und guten Mutes sein!!!!

Für mich hat das Neue Jahr sehr gut angefangen.

Ich war bei einem meiner Freunde auf Besuch in der Nähe des Nevskij-prospekts.
Natürlich waren da auch meine lieben Freunde des Studentenheims, wir waren insgesamt ungefähr 15 Leute und vereinten unter uns mehr als 10 Sprachen.... Ist das nicht toll???? Wir haben alles mögliche gegessen, mein Schoggi-Chueche war sofort weg:-)))

Und dann gingen wir auf dem Nevskij spazieren, unglaublich viele Leute, alle in Feststimmung, eine Verrücktheit sondergleichen und ich habe mich so wohl gefühlt, so glücklich und zufrieden, ich glaube, das sieht man auch ein bisschen auf der Foto von der Kassanski-Kathedrale.
Ich bin so voller Energie, wenn auch müde, da ich erst um 6 ins Bett plumpste, aber voller Tatendurst, und Vorfreude auf die 365 Tage von 2008.
Viel ist passiert im letzten Jahr, ein süss-saures - bitteres - trauriges - glückliches Jahr... Ich bewahre das Gute, und verdaue das Schlechte und freue mich auf diesen Neuanfang....

Euch allen nur das Beste!!!
Und auf Wiedersehen, auf bald, Alles Liebe und tausend Grüsse
Eure Luisa

Donnerstag, 13. Dezember 2007

morgen kommt der Weihnachtsmann...


meine Lieben!

Ich kann es nicht fassen, wieviel Zeit seit dem letzten Eintrag verstrichen ist.
Unglaublich.
Und die Zeit rennt einfach weiter... so schnell geht alles...

Ich war in der Schweiz, so ziemlich inkognito, wenn ich das mal so sagen darf, nur für knapp eine Woche. Ich habe für das Migros-Stipendium vorgespielt (Resultat noch nicht bekannt) und war deshalb sehr beschäftigt. Daher ist auch das Foto unserer kleinen Weihnachs-Vorfeier. Mama hat soooooooooooooo gut gekocht, dass ich mich immer wieder daran erinnere und allen meinen Freunden hier schon vorgeschwärmt habe.

Und jetzt bin ich wieder im geliebten Studentenheim in Petersburg und versuche, meinen Stundenplan als nun ofizielle Doktor-Kursprogramm-Studentin zu organisieren. Das einzige, was bis jetzt feststeht ist "Aesthetik" am Freitag von 11.15 bis 15.00. Also gehe ich da morgen zum ersten Mal hin. Ansonsten ist niemand sonderlich gestresst in der Organisation der Fächer. Irgendwann fange ich dann mit Italienisch an, Methodik und Psychologie wohl auch und dann sollte ich noch vier Stunden Russisch unterbringen, und ja, klar, Klavierstunde und Kammermusik...??!!
Ich denke nicht zu viel und habe mal viele Weihnachtsgueli gebacken. Man soll den Tag nicht vor dem abend stressen, stimmts???
Denn die letzten drei Tage waren fast ausschliesslich Franz Schubert gewidmet. Ich bin wieder einmal bis über beide Ohren in ihn verliebt, seine drei Klavierstücke DV 946 sind mein neues Ah und Oh, also waren die Tage seit meiner Ankunft schon wieder ganz erfüllt von guetzlen, üben, und organisieren...

Ueber meine Pläne kann ich schon ein wenig verraten: am 29. Januar fliege ich wieder in die Schweiz. Ich versuche, anfangs Februar ein paar Konzerte zu organisieren, Programm ist bekannt, Ort und Zeit noch nicht:

Beethoven, Sonate op.110 (Nr. 31)
Schubert, Drei Klavierstücke DV 946
****
Debussy, 12 préludes (I livre)

Jaja, so geht das Leben voran. Ich kämpfe manchmal mit mir, habe manchmal das Gefühl, im Sumpf Russlands zu versinken, im Sumpf von Selbstmitleid, Unsicherheit, Stress.
Und dann sage ich mir, ich bin eigentlich schon blöd, traurig zu sein, wenn ich doch, egal wie, ein ganzes Leben voller schöner Musik vor mir habe, wenn ich mich doch so glücklich schätzen kann, das zu machen, was mir am meisten Freude macht, wenn ich liebe Leute um mich habe, Leute, die an mich denken, mir Ihre guten Gedanken schicken und an mich glauben.. es ist ein ewiges hin-und her, hier in der Dunkelheit des Nordens kommen die schwermütigen Gedanken eben schneller als im sonnigen Südamerika. Und auch der rockige Weihnachtsbaum auf dem Strassen-Kreisel in der Nähe des Studentenheims blinkt und glitzert nicht immer so freundlich...

Also hilft nur eins: Schubert....

So, Schluss mit Sumpf, ich wollte eigentlich sagen, dass es mir gut geht hier. Ich merke nämlich, wie sich mein Sozialnetz ausbreitet und manchmal staune ich schon, wieviel Leute ich hier schon kennengelernt habe, und wieviele Leute mich kennen. Und ich freue mich an den kleinen Dingen des Lebens. Und an den grossen auch. Denn es gibt mehr, um sich zu freuen als traurig zu sein und das ist gut.
Weihnachtszeit ist halt auch komisch, so fern, im wahrsten Sinne des Wortes....
fern von "zuhause", von Mama, von Valentin. Und von Papa. Und die Trauer kommt in letzter Zeit so häufig zum Vorschein.

Aber es geht weiter, immer voran, und wir werden sehen, was für Ueberraschungen das Jahr 2008 bereit hält... Auf jeden Fall freue ich mich immer über alle post, die ich bekomme, und ich werde jetzt auch wieder mehr schreiben, VERSPROCHEN!!!

So, jetzt wieder zu Schubert, ich bin schon völlig süchtig geworden...

Meine Lieben, schreibt mir, ich freue mich!!!
Und ich schicke Euch tausend Grüsse, Umarmungen, Küsse.

Alles alles Liebe