So, der grosse Tag, das so lange erwartete Ereignis ist vorbei...Ich sitze hier in Cambridge, England und lasse die EIndruecke der vergangenen 48 Stunden Revue passieren... Und irgendwie bekomme ich das Gefuehl, das waere schon alles viel laenger her....
So lange habe ich auf diesen Tag hin gearbeitet, so viele Stunden habe ich darin investiert, soviele Gedanken darin verwendet - und jetzt ist alles vorbei... Und es geht weiter... aber wie und wo?
Es ist schon etwas Interessantes, ein Konzert zu geben. Aehnlich wie in einem Fussballspiel, man weiss nie, wie es ausgehen wird. Immer ist ein gewisses Risiko da, immer gibt es gewisse kritischen Punkte.... Gewisse faule Verteidiger, und gewisse Ballkuenstler.. Das wirklich schwierige ist, bis am Ende durchzuhalten, immer alles zu geben aber sich nicht zu vergeben... die Kontrolle zu behalten und trotzdem die Musik auch zu geniessen. Und zu spueren, dass man alles im Griff hat.
Bei fast allem war das am Montag der Fall. Manchmal kriege ich ein Gefuehl von Macht, wenn ich spiele. Denn ich weiss genau, dass ich die Faeden in der Hand habe und durch Toene den Leuten ins Herz spielen kann...
Wenn jemand nach dem Konzert mir sagt, die Musik habe ihn so persoenlich betroffen, dann ist mir das gelungen, was ich wollte und das war amMontag definitiv der Fall. Und jetzt geht wieder alles von vorne los. Neue Stuecke werden ausgesucht, gelernt, geuebt, geprobt und wieder vorgespielt... Ideen fuer neue Programme habe ich genug...
Ja, das "Konzertloch", das gibt es schon.. mit jedem Ton hatte ich das Gefuehl, ein wenig von mir selber wegzugeben... ein Teil meiner Geheimnisse zu verraten.. und doch, dafuer spiele ich ja.. um das auszudruecken, was die Komponisten wollten, in Kombination mit dem was ich will, in Kombination mit dem was ich fuehl, was der Komponist gefuehlt hat aber auch , was mir dazu einfaellt, bzw. was ich "aehnliches" erlebt habe.... deshalb ist es ja auch so wichtig, ein richtiges Leben zu leben. Wer nur in seinem Cocon lebt, beschuetzt und behuetet vor den Schrecken dieser Welt, der kann doch das Leiden von Obermann in seinem Vallee nicht verstehen!!!! Wer immer alle bekommt, was er will, der kann doch nicht die Romantiker auf dem ewigen Weg auf der Suche nach dem, was nicht dort ist, wo man ist, verstehen!!! Und wer nicht bereit ist, durch lange Durststrecken zu wandern auf der Suche nach der blauen Rose, der kann viele Dinge einfach nicht verstehen.... naja, das zumindest ist der Trostpreis, wenn es mal wieder nicht so rund laeuft...
Aber darum mache ich mir gerade mal wieder weniger Sorgen.... denn eckig war das letzte Jahr genug....
Vor zwei Tagen stand und sass ich noch auf der Buehne in der Tonhalle, jetzt sitze ich auf einem Erkerbaenkchen in Cambridge, England, es regnet, die Blaetter fallen auf den Boden, und die "Winterreise" von Schubert steht uebermorgen auf dem Programm. Heute bei Proben ist mir wieder einmal aufgefallen, dass das Werk wohl die allerbeste Therapie fuer alle moeglichen Sorgen ist. Zusammen mit Schuberts letzter Sonate und seinem Streichquintett. Wenn ich diese Musik spiele oder hoere, dann merke ich einfach, dass alles andere im Leben so schnurz egal ist. Aber was musste Franz Peter in seinem Leben alles erleben, um solche Musik zu schreiben?
Jetzt kommt noch die Frage nach der Zukunft... nun, wir werden sehen.... alles wird sich zeigen... ich gebe weiterhin alles, bin weiterhin 200% dabei, freue mich ueber die kleinen Dinge des Lebens, die Nicht-Zufaelle des Alltags und stehe in den Startloechern fuer ein neues Kapitel... Inspiration Schweiz ist vorbei, jetzt kommt was Neues...
Und zum Schluss: Ohne alle guten Gedanken, ohne alle lieben Leuten um mich herum, waere das alles gar nichts wert, waere meine Musik voellig unnuetz und leer. Denn alle Menschen um mich herum, die mich anfeuern, weiter zu gehen, sind genau so an diesem Gelingen von Abenden wie der Montag beteiligt wie ich..... deshalb.. DANKE...
Und bis bald auf dem Weg ins neue Abenteuer!!
Mittwoch, 29. September 2010
Freitag, 17. September 2010
Aus dem Westen optimistisch?? - mal was Neues...

So lange habe ich nichts mehr auf diesen Blog geschrieben - mehr als zwei Jahre sind seit dem letzten Eintrag vergangen. Wieso eigentlich?? Manchmal ist es wohl so, dass das Privatleben so intensiv ist, dass es für Ueberlegungen und intelligente Sprüche keine Zeit mehr lässt. Manchmal ist auch so, dass einfach so viel läuft, dass keine Zeit mehr bleibt.
Wer diesen Blog überhaupt noch liest und lesen wird, ist mir rätselhaft.. bestimmt haben schon alle vergessen, dass es diesen Blog noch gibt... und das ist ja vielleicht auch ganz gut so.
So viel ist in den letzten zwei Jahren passiert...aber darauf möchte ich eigentlich gar nicht besonders genau eingehen.
mehr als das Vergangene interessiert mich jetzt die Zukunft. Meine Zukunft, die Zukunft derer, die mich umgeben, die Zukunft im Allgemeinen und im Spezifischen. Eigentlich sind dies auf der einen Seite sehr trübselig stimmende Gedanken, die ich da haben könnte.
Die Welt um mich herum, um uns alle herum ist voller Hass und Ungerechtigkeiten, voller Unzufriedenheit. Vor allem in "meiner" Musikerwelt. Wir tun alle so, als ob alles so friedlich wäre und gucken auf youtube, ob es nicht doch eine schlechte Aufnahme gibt, die ja beweist- so spiele ich auch - und sowieso, es ist ja nur so, dass ich nicht entdeckt werde/worden bin, weil ich nicht zu einer Gruppe der verschiedenen Musiker-Mafias gehöre. Ich kann das nicht mehr hören. Warum muss es denn immer so sein, dass in der Musik und in der Kunst im Allgemeinen so viel geschwatzt wird!!! Hat es denn nicht für alle Platz? Ist es mir denn nicht schnuppe, wer mit wem wofür was getrieben hat??? Was steht denn im Vordergrund einer musikalischen Karriere? Oder was sollte im Vordergrund stehen? Neid? Schadenfreude? Politik? Mafia? Oder vielleicht doch NUR die Musik? Ist das überhaupt noch möglich, war es überhaupt jemals so? Ist Musik für Musik eine Utopie? Vielleicht. Aber doch sicher eine erstrebenswerte.
ich bin manchmal eifersüchtig. Manchmal im Privatleben, manchmal in der Musik -ich glaube - hoffe - das sind wir alle manchmal. Aber nie auf jemanden, der es besser kann. Oder dann nur klammheimlich und mit schlechtem Gewissen....
Was mich aber einfach nur krank macht, ist andauernd die Fehler bei den andern zu suchen. Und das ist jetzt nicht nur in der Musikwelt so. Immer ist jemand anderer schuld. Und alles wird nur schlechter. Und alle sind in einer Mafia drin. Nur ich brave, anständige, unentdeckte halt.... Das ist Mist. Wer das Gefühl hat, muss nichts machen. Ja, es gibt Mafia, es gibt Lobby, der eine hilft dem anderen. So ist es, so ist es immer gewesen, so wird es immer sein.
Pessimistische Gedanken.... Buuuuuuuuu....
Aber kein bisschen fühle ich mich pessimistisch. Im Gegenteil. Eher optimistisch.
Und beim optimistischen werde ich bleiben. Denn so sehr ich auch versuche, pessimistisch zu wirken, irgendwie klappts nur für ein Weilchen.
Beinahe 27 Jahre kämpfe ich mich nun durch den Dschungel des wilden Lebens;-) Tja, wie ich noch klein war, da dachte ich mir immer, "Wow, mit 27 - da ist man ALT, sicher sehr weise, etc etc"... denkste! Natürlich - man lernt... wie heisst es doch so schön "aus Fehlern wird man klug, drum ist einer nicht genug", naja, kann man wohl so sagen.
Einer pro Konzert ist nicht genug und einer pro Leben auch nicht.
Gerade bin ich wieder auf einem Jorge Drexler-Trip. Denn nein, ich höre nicht nur klassische Musik in meiner Freizeit.... Jorge Drexler zu hören ist, wie in ein Wohlbad von Erklärungen einzutauchen. "Lo que tenga que ser, que sea y lo que no - por algo sera" - Was sein muss, soll sein und was nicht - das wird schon seinen Grund haben... Oh ja, damit kann ich leben. Und damit kann MAN leben. Denn ich glaube fast noch mehr an das Schicksal als an Lobbies.
Ich merke, ich werde altersweise. (sehr ironisch gemeint) oder auch immer dümmer.
Jedenfalls gibt es nichts schöneres für mich, als die Leute, die mir zuhören, verzaubern zu können. Zu wissen, wie ich den Ton spielen möchte, damit er seinen Sinn hat im Musikstück und in den Ohren der Zuhörer. Und seine Botschaft überbringt. Wem? Was? Das ist mein Geheimnis.
Ich kann mich noch so gut erinnern, wie ich aus dem Austauschjahr in Chile zurückkam und wir mit meinem besten Freund darüber redeten, dass wir Glück haben: Unsere Erinnerungen kann uns NIE jemand wegnehmen. Die gehören einfach uns, zu uns.... und so ist es doch auch mit der Musik. Nie kann sie mir jemand wegnehmen. Ich fühle mich privilegiert.
Am 27.9. in der Tonhalle spiele ich das "Hauptkonzert" meiner privaten Konzertsaison. Und ich freue mich schon so darauf. Natürlich habe ich Lampenfieber. Es gibt immer diesem Moment, wo man denkt, "O Gott, das kann ich nicht". Und das stimmt nie. Man kann immer. Aber man muss daran glauben. Und denken, dass das geht. GANZ FEST!!! Und es geht immer und deshalb freue ich mich so. Denn was auch für böse Lobbies um mich herum lobbieren und wirbeln und gegen und füreinander arbeiten - mich stört es ja nicht, denn ich muss/DARF ja einfach spielen.
Vielleicht auch für Dich?????????????
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