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Meine Lieben
Theoretisch bin ich seit gestern wieder im Grafenhag, praktisch klappts noch nicht so ganz - ich bin noch ganz gaga von der Heimreise und erst gerade etwas dabei, meine Gedanken wieder etwas zu ordnen und wieder etwas Richtung Nord-Osten zu denken und an das, was jetzt kommt....
Was gibts nicht alles zu erzählen von diesem Monat!!! Ich versuche, Euch diese Wochen etwas zusammenzufassen, mit den Links zu den Fotos (oben links) könnt Ihr Euch dann auch selber ein Bild davon machen...
Nach den zwei New York-Tagen sind wir zu James nach Kent, Ohio, gefahren... Zuerst wohnten wir bei seinen Eltern, schon ab dem zweiten Tag aber konnten wir im Haus von einem Klavierlehrer des Konservatoriums an der Kent-Universität wohnen - und sein Haus, eine fast Beverly-Hills-mässige Villa mit Steinway-Flügel, vielen Zimmern und einem riesengrossen Fernseher, und seine zwei reinblütigen russischen grauen Katzen namens Mischa und Sascha hüten...
Der Ueballtag ging sofort wieder los. Ich übte tagsüber am Steinway-Flügel "zuhause" und James übte im Haus seines besten Freundes, der gerade mit seiner Familie in der Ukraine war. So verbrachten wie unsere Tage mit klimpern, trafen uns zur Mittagspause und hielten uns die Abende frei, die wir dann mit reinem Gewissen geniessen konnten: Barbecues bei James zuhause, Filmabende, die olympischen Spiele, das waren unsere favorisierten Aktivitäten...
Am 10. August hatte ich mein erstes Konzert in Akron, Ohio, an der dortigen Universität. Es ging sehr gut, allen hats gefallen, und ich war auch ganz zufrieden. Gespielt habe ich zwei Scarlatti-Sonaten, Mozart-Fantasie c-moll, Clara Schumann-Variationen, Prokovief-Sonate Nummer 9 und ein Stück aus der Romeo und Julia-Suite.
Am 15. August war das zweite Konzert, diesmal in Columbus, Ohio, im Konzertsaal der Grave's Piano and Organ-Company. Gespielt habe ich Clara-Schumann-Variationen, Prokofief-Sonate Nr. 9 und Schubert-Sonate A-Dur.
Auch dieses Konzert ging sehr gut. Prokovief ging wohl noch nie so gut wie da...
Danach sind wir auch wieder in James' Haus umgezogen. Seine Mutter ging dann für eine Woche nach New Haven, wo James' Bruder Rob mit seiner Familie wohnt. Seine Frau hat am 18. August ihr zweites Kind Owen Peter auf die Welt gebracht und die stolze Grossmutter hat natürlich auf die zweieinhalb-jährige, jetzt "grosse Schwester", Alexandra aufgepasst und uns immer die neusten Ereignisse durchgegeben...
Am 16. August lud uns James' Vater nach Cleveland in die Severance-hall (Halle des Cleveland-Orchesters und Arbeitsplatz von Franz Weler-Möst...) ein: Klavierrezital von Alexander Gindin, dem Gewinner des letzten Cleveland-Wettbewerbs, ein 31-jähriger Russe aus Moskau. Das Programm: Alles virtuose Werke (u.a. Liszt-Tarantella, Campanella, etc) - es war genial!!!!
Eine richtige Freude, diesem Pianisten zuzuhören, und zuzusehen.. ein richtiges Erlebnis!!!
Und am 21. August spielte ich dann mein Schubert-Rezital in Kent selbst, im Saal der Kent State University. Zwei Impromptus op.90, Drei Klavierstücke DV 946 und die A-Dur-Sonate. So gut wie da habe ich schon sehr lange nicht mehr gespielt. Das Konzert habe ich von einem Tontechniker professionell aufnehmen lassen und wer eine CD davon möchte, bitte melden!!!
Es war ein sehr würdiger Abschluss dieses Konzert-Sommers - 7 Konzerte in knapp 6 Wochen.
Ich habe in dieser Zeit wieder einige Krisen überwältigt und fühle mich auch wieder bereit für neue Herausforderungen, bin voller Pläne für die Zukunft und habe tausend Ideen... Die Gespräche mit James in den USA haben mir sehr viel geholfen - viele Gedanken, die ich mir mache, versteht er genau und so wurde es uns auch nie langweilig...
Es ist halt schon mühsam, dass man sich als Künstler so viel mit sich selbst beschäftigen muss... Ich finde das manchmal sehr schwierig. Und meine Post-Konzert-Löcher sind auch nicht besonders hilfreich... aber eben, dadurch, dass ich jetzt so viel gespielt habe, gewöhne ich mich an alles und wieder einmal habe ich festgestellt, dass es eben vor allem auf das innere Gleichgewicht ankommt. Und dass man als Interpret die Musik geniessen soll. Und noch so einiges mehr...
Ja, und dann am 22. August war ich total fertig... Und ich habe mich dann auch mal zwei Tage ausgeruht... Wir waren im Kino, beim Minigolfen, haben in James' Swimmingpool gebadet, wir waren in Cleveland im Museum, auf Shopping-Tour und haben auch noch geübt aber nicht mehr so viel....
James' Mutter war unterdessen wieder nachhause gekommen und am Abend vor unserer Abreise gingen wir zu viert essen. Es war ein wunderschöner Abend und wir haben viel gelacht... Ihre Grosszügigkeit und Gastfreundschaft mir gegenüber werde ich nicht vergessen...
Am 26. gings dann wieder auf die Reise - aber in den Norden!! James und ich hatten beschlossen, die lange Reise nach New York in zwei Etappen zu machen, dafür aber die Niagara-Falls zu besichtigen... Wir standen früh auf, packten das Auto mit meinen Koffern voll, kauften zum letzten Mal Frühstück bei "Susan's" - bestehend aus himmlischen Bagels mit creamcheese, Kaffee, Orangensaft, und einem chocolate- und einem rasberry-creamcheese-croissant.... Schon auf der Autobahn strich ich die Bagels und teilte die Croissants und wachte auch langsam auf...
Wir fuhren also nach Kanada. Ich kriegte auch einen kanadischen Stempel in meinen Pass (interessant: Die Amis und Kanadier haben mir meinen Pass auf der ERSTEN Seite abgestempelt, obwohl es auf den nachfolgenden Seiten schon verschiedenste Stempel hat... im Gegensatz stempeln mir die Russen immer die LETZTE Seite voll...) . Die Niagara-Falls sind etwas vom Eindrücklichsten, das ich je gesehen habe... Wir nahmen natürlich ein Boot, genannt "the maiden of the mist" und fuhren ganz nahe an die Fälle heran - ein richtiges Abenteuer!!!
Der Tag war wunderschön, ein gelungener Abschluss dieser Reise!!!
Und nach einer Motel-Uebernachtung (mit Pizza-Bestellen und Fernseh-Zapping) fuhren wir am nächsten Tag nach New York zurück. Alles verlief planmässig und so sitze ich jetzt auf dem Sofa im Grafenhag und versuche, meine Gedanken wieder etwas zu ordnen, und herauszufinden, ob das Flugzeug, mit dem Mama aus Spanien kommt, nicht noch mehr Verspätung hat...
Guckt Euch die Fotos an und schreibt mir Eure Kommentare!!!
Ich bin noch bis am 3. September in der Schweiz, dann beginnt wieder der Ernst des Lebens im Venedig des Nordens.. Obwohl ich in diesen Semesterferien nicht wirklich Ferien hatte fühle ich mich voller Tatendrang und, sobald ich den Jet-lag überstanden habe, zu mehr neuen Abenteuern bereit!!!!
Euch alles Liebe und einen wunderschönen Spätsommer und bis bald
Eure Luisa


